Das Morden geht anders weiter

Die Geheimhaltung des „Euthanasieprogramms“ fiel den Nazis zunehmend schwer. Nach und nach sprach sich in der Bevölkerung herum, dass Menschen mit Behinderung ermordet wurden. Das führte unter anderem dazu, dass die „Aktion T4“ im Sommer 1941 eingestellt wurde.

Damit hörte die Ermordung von Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung aber nicht auf. Zwar wurden sie nun nicht mehr in den Tötungsanstalten mit Gas umgebracht und die T4-Organisation entschied nicht mehr, welche Patienten getötet werden sollten.

Dafür verschlechterte sich die Versorgungslage in den Heil- und Pflegeanstalten aber dramatisch. Durch gezielte staatliche Einwirkungen starben Menschen auch nach dem Ende der Aktion T4. So wurden beispielsweise die ohnehin schon niedrigen Pflege-sätze weiter reduziert und die Anstalten noch mehr über-belegt. Ganz gezielt töteten Ärzte und Pflegepersonal zudem die Patienten mit über-dosierten Medikamenten, bewusstem Nahrungsentzug oder durch Vernachlässigung. Diese Phase nannte man „dezentrale Euthanasie“.

Einzelne Anstalten entwickelten sich zu regionalen Mordzentren. Die schlechte Versorgungslage und die immer knapper werdenden Lebensmittel trafen die Menschen in den Anstalten als erste. Für die Nazis waren sie „nutzlose Esser“, wenn sie nicht „arbeitsfähig“ waren.

Immer mehr Anstalten mussten in Kriegslazarette, Krankenhäuser oder Unterkünfte für Kriegsflüchtlinge umfunktioniert werden. Auch die Taubstummen-anstalt Michelfeld wurde für Lazarettzwecke beschlagnahmt.

Die Anstaltsleitung schrieb zahlreiche Briefe an Angehörige, in denen gebeten wurde, das behinderte Familienmitglied heimzuholen. Gleichzeitig wurde den Frauen, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits zuhause befanden, mitgeteilt, dass sie wegen der Auflösung der Anstalt nicht zurückkehren konnten.

Da die Heil- und Pflegeanstalt Erlangen bereits voll belegt war, kamen für die Verlegung der Michelfelder Patientinnen nur die Heil- und Pflegeanstalt Regensburg sowie das Haus der St. Josefskongregation Ursberg in Frage.

Am 28. September 1941 wurden die meisten der Bewohnerinnen nach Regensburg in die Heil- und Pflegeanstalt gebracht. Nur ca. 100 Bewohnerinnen mit leichteren Behinderungen, vor allem gehörlose Frauen, konnten in Michelfeld bleiben. Sie konnten in der Landwirtschaft oder im Lazarettbetrieb mitarbeiten. Am 1. Oktober wurden noch einmal 50 Patientinnen nach Ursberg gebracht.

Von den 233 nach Regensburg transportierten Frauen haben 155 die Kriegsjahre nicht überlebt. Es gibt Schätzungen, dass deutschlandweit über 200.000 Menschen der „dezentralen Euthanasie“ zum Opfer fielen

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